Rund 700.000 Beschäftigte in der Gebäudereinigung können sich freuen: Ab Januar 2026 steigen die Löhne! Damit geht es nicht nur um mehr Geld im Portemonnaie, sondern um Fairness, Wertschätzung und sichere Perspektiven. Die Branche will damit Fachkräfte halten, aber auch den Nachwuchs gewinnen und langfristig stärken. Für viele Beschäftigte bedeutet das eine echte Entlastung im Alltag und für die Betriebe eine Chance, motivierte Teams zu sichern und ihr Image aufzuwerten.
Hinter den Kulissen: So lief die Tarifrunde
Bereits im Herbst 2024 stand nach zähen Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft IG BAU und dem Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) ein neuer Tarifvertrag fest. Von beiden Seiten wurden es als „harte, teils verhärtete Gespräche“ beschrieben. Aber aufgrund steigender Preise und dem anhaltenden Fachkräftemangel sollte eine deutliche Lohnerhöhung für die Reinigungskräfte durchgesetzt werden. Der Bundesinnungsverband (BIV) warnte allerdings vor zu starken Belastungen für die Betriebe. Der BIV vertritt als Arbeitgeber- und Dachverband die Interessen seiner knapp 2.500 Mitgliedsbetriebe, die rund 85 % des Marktes repräsentieren. Trotzdem ist klar: Ohne die Angestellten würde die Branche nicht funktionieren, weshalb ihre Interessen und Leistungen unbedingt beachtet werden sollten. Nach der ersten vereinbarten Lohnerhöhung im Januar 2025 steht nun die nächste Steigerung an. Auch die Ausbildungsvergütungen steigen spürbar, damit der Beruf für junge Menschen wieder attraktiver wird.
Neue Löhne im Überblick – Wer wie viel mehr bekommt
Mit dem neuen Tarifvertrag steigen die Löhne über dem gesetzlichen Mindestlohn. Für viele Reinigungskräfte ist das ein wichtiger Schritt aus dem Niedriglohnbereich und ein deutliches Signal gegen Lohndumping, für mehr Gerechtigkeit und Anerkennung. Besonders profitieren Fachkräfte in der Glas- oder Sonderreinigung: Mehr Geld und höhere Wertschätzung für anspruchsvolle, oft körperlich belastende Arbeit. Arbeitgeber, die den Mindestlohn unterschreiten, riskieren hohe Geldstrafen und Nachzahlungen. Beschäftigte können ihren ausstehenden Lohn bis zu 3 Jahren danach auch rückwirkend einfordern.
Im Detail sehen die neuen Steigerungen so aus:
Lohngruppe 1 – Einstieg in die Reinigung: 15,00 € pro Stunde
Lohngruppe 2 – Reinigungskraft mit Erfahrung: 15,46 € pro Stunde
Lohngruppe 3 – Maschinelle Reinigung: 15,95 € pro Stunde
Lohngruppe 4 – Spezialarbeiten (z. B. Klinikreinigung): 16,66 € pro Stunde
Lohngruppe 5 – Vorarbeiter/in: 17,57 € pro Stunde
Lohngruppe 6 – Glas- und Fassadenreinigung (Fachkräfte): 18,40 € pro Stunde
Lohngruppe 7-9 – Objektleiter/in u. a.: bis 23 € pro Stunde
Was das für die Branche bedeutet – Chancen & Herausforderungen
Mit knapp 700.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind die Gebäudereiniger die beschäftigungsstärkste Handwerksbranche Deutschlands. Der neue Tarifvertrag für die Gebäudereinigung zeigt also, dass faire Löhne und wirtschaftlicher Erfolg zusammenpassen können. Andere Dienstleistungsbranchen haben also keinen Grund diesem Beispiel nicht zu folgen. Gleichzeitig schaffen die neuen Lohnuntergrenzen bis Ende 2026 mehr Planungssicherheit für Unternehmen. Langfristig könnten solche Abschlüsse sogar inflationsdämpfend wirken, weil sie Lohndumping und Preiskämpfe eindämmen.
So profitieren die Mitarbeitenden
Für viele Reinigungskräfte ist der neue Tarifvertrag eine echte Entlastung, denn mehr Geld im Portemonnaie heißt spürbar weniger Druck im Alltag. Außerdem fühlen sich viele Beschäftigte endlich ernst genommen und anerkannt. In den Betrieben sorgt das für mehr motiviertere Mitarbeitende, geringere Fluktuation und stabilere Teams. Durch die höheren Ausbildungsvergütungen wird die Gebäudereinigung zudem attraktiver für junge Menschen, die sich für einen handwerklichen, sicheren Beruf entscheiden wollen. Besonders in spezialisierten Bereichen wie der Glas- oder Sonderreinigung hilft der Tarifabschluss, Fachkräfte zu halten und neue zu gewinnen.
Wie Unternehmen vom Tarif profitieren
Für die Unternehmen bedeutet der Abschluss allerdings auch eine spürbare Kostensteigerung, denn in der Gebäudereinigung machen die Löhne zwischen 60 und 80 % der Gesamtausgaben aus. Viele Betriebe werden deshalb ihre Preise anpassen müssen, vor allem bei langfristigen Verträgen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, setzen viele Unternehmen inzwischen auf Digitalisierung und Effizienzsteigerung, etwa durch smarte Einsatzplanung, Zeiterfassung oder Apps. Trotz höherer Kosten bringt der neue Tarif auch Vorteile zum Beispiel bei der Gewinnung neuer Mitarbeitender:innen, denn faire Löhne und verlässliche Arbeitsbedingungen machen die Branche attraktiver.
Blick nach vorn und was noch kommen könnte
Doch wie geht es in der Gebäudereinigung ab 2027 weiter? Die aktuelle Tarifvereinbarung gilt noch bis Ende 2026, doch schon jetzt laufen die Vorbereitungen für die nächste Verhandlungsrunde. Ein 13. Monatseinkommen konnte die Gewerkschaft bisher nicht durchsetzen, dennoch soll ein möglicher Gewerkschaftsbonus bei den kommenden Gesprächen ein Thema sein. Das Ziel der IG BAU ist vor allem die Reallöhne langfristig stabil halten, damit die steigenden Lebenshaltungskosten den Verdienst der Beschäftigten nicht auffressen. Gleichzeitig müssen Gewerkschaft und Arbeitgeberseite weiterhin Wege finden, faire Bezahlung und wirtschaftliche Tragfähigkeit der Betriebe miteinander in Einklang zu bringen.
Mehr Geld, mehr Anerkennung: Investition in die Branche
Der neue Tarifvertrag in der Gebäudereinigung ist mehr als nur eine Lohnerhöhung: er bedeutet Fairness, Wertschätzung und Stabilität. Reinigungskräfte profitieren von spürbar höheren Einkommen und besseren Perspektiven, während Betriebe durch motivierte Teams und ein stärkeres Image gewinnen. Natürlich bleibt die Herausforderung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und soziale Verantwortung im ausgewogen zu halten. Doch die Branche kann das auch als Chance nutzen, um im Talentewettbewerb attraktiver zu werden. Denn sicher ist: Wer in seine Mitarbeitenden investiert, stärkt nicht nur den Betrieb, sondern die gesamte Branche.