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Arbeitsschutz in der Gebäudereinigung: Sicherheit, Gesundheit und Effizienz

Jährlich werden rund 100.000 Arbeitsunfälle allein der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) gemeldet, häufig mit Hauterkrankungen als Folge. In der Reinigungsbranche werden Mitarbeitende ständigen Gefahren ausgesetzt, denn hinter glänzenden Böden und gepflegten Oberflächen steckt harte Arbeit, die mit körperlichen und gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Umso wichtiger ist ein funktionierender Arbeitsschutz, der die Sicherheit, Gesundheit und Motivation der Mitarbeitenden langfristig gewährleistet.

Warum ist Arbeitsschutz in der Gebäudereinigung so wichtig?

Reinigungskräfte sind täglich vielfältigen Gefährdungen ausgesetzt. Reinigungsmittel wirken ätzend und können Hautreizungen oder allergische Reaktionen auslösen, mit Hautproblemen und Ekzemen bis zu Atemwegserkrankungen als Folgen. Dazu sind Unfälle wie eingeklemmte Finger oder herabfallende Gegenstände sehr häufig, auch Ausrutschen, Stolpern oder Stürze treten regelmäßig auf und tragen erheblich zu Ausfallzeiten bei. Doch nur das Tragen von Handschuhen, Atemschutz und festem Schuhwerk reicht nicht aus, denn in der wachsenden Gebäudedienstleistungsbranche werden die Mitarbeitenden zunehmend stärker belastet.

Mehr Mitarbeitende, mehr Verantwortung

Der Gebäudedienstleistungssektor wächst immer schneller. Laut aktuellem Branchenreport des Bundesinnungsverbands der Gebäudedienstleister konnten Unternehmen in den letzten Jahren ein Wachstum von rund 30 % verzeichnen. Mit mehr Beschäftigten häuft sich auch das Risiko für Unfälle und Gefahren. Die Einsatzorte reichen von Büros über Industrieanlagen und Krankenhäuser bis zu Fassadenarbeiten, jede Tätigkeit bringt also eigene Risiken mit sich. Besonders Zeitarbeitskräfte, die nicht direkt beim Nutzerbetrieb angestellt sind, benötigen klare Abstimmung und Schulung im Arbeitsschutz. Wichtig bleibt: Auch wenn die Branche weiterwachsen soll, darf der Arbeitsschutz nicht vernachlässigt werden.

Typische Gefahren im Überblick

Mitarbeitende werden ständig mit Gefahrensituationen konfrontiert, die passende Betriebsanweisungen zum Arbeitsschutz notwendig machen. Aber welche Gefahren und Belastungen lauern eigentlich in der Reinigungsbranche?

  • Rutsch-, Stolper- und Sturzgefahr auf nassen oder glatten Böden
  • Chemische Gefährdung durch Reinigungs- und Pflegeprodukte
  • Feuchtarbeit: bei längerem Tragen von Handschuhen ärztliche Vorsorge nötig
  • Körperliche Belastungen: Heben, Tragen, ungünstige Haltungen, monotone Bewegungen
  • Infektionsgefahr, z. B. in Krankenhäusern oder Sanitärbereichen
  • Elektrische Risiken und Absturzgefahr bei Arbeiten in der Höhe oder an Maschinen
  • Gefährdung durch Geräte, z.B. durch Reinigungsmaschinen, Hochdruckreiniger

Wissen schützt – Pflichtunterweisungen für Reinigungskräfte

Reinigungskräfte sind essenziell für Hygiene und Sicherheit in allen Bereichen. Warum also beim Arbeitsschutz sparen? Passende Unterweisungen im Arbeitsschutz sind mittlerweile sogar gesetzlich Vorgeschriebene Maßnahmen (§12 ArbSchG, §4 DGUV V1) und müssen mindestens einmal jährlich stattfinden, auch für Reinigungskräfte von Fremdfirmen.

Die Inhalte der Schulungen sind vielseitig. Dazu gehören:

  • Gefahrstoffe: richtige Anwendung, Lagerung, Dosierung
  • Infektionsschutz / Hygienemaßnahmen
  • Ergonomie, sichere Bewegungsabläufe
  • Unfallverhütung: rutschige Flächen, Umgang mit Geräten
  • Verhalten im Notfall (z. B. Erste Hilfe, Brandschutz)

Ziel der Unterweisung ist es, die Beschäftigten zu sensibilisieren, klare Verhaltensregeln zu vermitteln und an bereits bestehende Schutzmaßnahmen zu erinnern. Alles muss ordnungsgemäß dokumentiert und archiviert werden.

So wird Sicherheit zum Alltag

In den letzten Jahren meldete die BG BAU rund 7000 Gefahrstoffunfälle, davon ca. 1.600 durch Reinigungs-, Putz- und Pflegemittel. Diese Zahlen zeigen deutlich, wie wichtig ein wirksamer Arbeitsschutz in der Gebäudereinigung ist. Doch Arbeitsschutz lebt nicht nur von Regeln auf dem Papier, sondern von guter Organisation, klaren Strukturen, regelmäßigen Schulungen und Integration in der Praxis. Um das Risiko von Unfällen und Gesundheitsgefahren deutlich zu reduzieren, müssen Schutzmaßnahmen also fest in den Arbeitsalltag integriert sein.

Tipps zur Umsetzung

  • Gefährdungen prüfen: Risiken erfassen, bewerten, Maßnahmen kontrollieren
  • Zuständigkeiten klären: Wer macht was? Unternehmer, Sicherheitsbeauftragte, Reinigungskräfte
  • Regelmäßig schulen: Wissen auffrischen, neue Risiken vermitteln
  • Sicherheitskultur fördern: Mitarbeitende einbinden, Feedback nutzen
  • Standortbezogen unterweisen: Spezifische Risiken und Geräte berücksichtigen
  • Kontrolle & Audit: Begehungen, PSA-Checks, Umsetzung prüfen
  • Arbeitsschutz integrieren: Teil von Dienstplanung und Qualitätsmanagement
  • Praxisnah trainieren: Beispiele, Übungen, reale Szenarien
  • Dokumentieren & nachverfolgen: Mängel erfassen, Maßnahmen prüfen

Smart und sicher: Arbeitsschutz digital

Digitale Technologien gewinnen auch in der Gebäudereinigung immer mehr an Bedeutung. Mit Apps und digitalen Tools lassen sich Unterweisungen, Kontrollen oder Gefahrenmeldungen einfach dokumentieren und direkt abrufen. Echtzeit-Kommunikation zwischen Team und Führungskräften sorgt dafür, dass Risiken sofort gemeldet und behoben werden. Außerdem reduzieren Smarte Sensoren und automatisierte Reinigungssysteme körperliche Belastungen und erkennen Gefahren frühzeitig. Zwar bringt die Digitalisierung auch in der Reinigungsbranche neue Herausforderungen wie Datenschutz oder Schulungsbedarf mit sich, richtig eingesetzt sorgt sie aber für mehr Sicherheit, Transparenz und Effizienz im Arbeitsalltag.

Checkliste für mehr Sicherheit

Guter Arbeitsschutz entsteht nicht von allein, er braucht Aufmerksamkeit, klare Strukturen und konsequente Umsetzung. Eine einfache Checkliste hilft, den Überblick zu behalten und Arbeitsschutz von der Planung bis zum Alltag fest zu verankern.

  • Gefährdungsbeurteilung aktuell
  • Betriebsanweisungen für Gefahrstoffe
  • Jahresunterweisungen durchgeführt & dokumentiert
  • Objektspezifische Unterweisungen ergänzt
  • PSA vorhanden, passend & geprüft
  • Schulung zu Ergonomie & Hebetechniken
  • Geräte und Maschinen kontrollieren & warten
  • Sicherer Umgang mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln
  • Belüftung bei Chemikalieneinsatz sicherstellen
  • Maßnahmen bei Feuchtarbeit beachten
  • Absturzsicherungen / Arbeiten in der Höhe gesichert
  • Elektrische Sicherheit & Geräteschutz gewährleisten
  • Unterweisungen, Prüfungen und Mängel dokumentieren
  • Regelmäßige Sicherheitsbegehungen
  • Rückmeldungen der Mitarbeitenden ermöglichen
  • Digitale Tools (Apps) nutzen
  • Arbeitsschutz in Dienstplanung & Abläufe integrieren

Sicherheit im Fokus: Verantwortung, Prävention und Teamarbeit

Arbeitsschutz in der Gebäudereinigung ist kein Extra, sondern Grundlage für Gesundheit, Qualität und wirtschaftliche Erfolg. Reinigungskräfte sind während der Arbeit ständig Gefahren ausgesetzt, von Chemikalien über Sturzrisiken bis hin zu körperlichen Belastungen. Gesetzlich vorgeschriebene Unterweisungen und saubere Dokumentation sind Pflicht, doch echte Sicherheit entsteht erst durch gute Organisation, regelmäßige Schulungen und den Einsatz moderner Technik. Digitale Tools und Checklisten schaffen Klarheit, erleichtern Abläufe und helfen, Risiken früh zu erkennen. Klar ist: Sicherheit ist kein „Nice-to-have“, sondern Voraussetzung für gesundes Team und ein funktionierendes Unternehmen.