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Gebäudereinigung ohne Risiko: Gesundheit im Fokus

Wer sorgt eigentlich dafür, dass Büros, Krankenhäuser, Schulen oder Einkaufszentren täglich sauber und sicher bleiben? Genau: das Gebäudereiniger-Handwerk. Doch obwohl die Arbeit der 658.325 Beschäftigen unverzichtbar ist, wird sie oft als selbstverständlich angesehen. Dabei ist Gebäudereinigung alles andere als ein „leichter Job“, denn sie ist körperlich anspruchsvoll und mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden.

Immer in Bewegung – warum Reinigungskräfte besonders gefordert sind

Sitzen am Schreibtisch? Fehlanzeige. Während andere Berufsgruppen überwiegend im Sitzen arbeiten, sind Reinigungskräfte ständig in Bewegung. Sie wischen Böden, tragen Reinigungsgeräte, heben Lasten, arbeiten in Zwangshaltungen und stehen oft unter starkem Zeitdruck. Zusätzlich kommen sie regelmäßig mit chemischen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sowie potenziell belasteten Umgebungen in Kontakt. Ob Krankenhaus, Pflegeeinrichtung, Großraumbüro, Schule oder Industrieanlage – jeder Einsatzort bringt eigene Gefahren mit sich. Typisch sind wiederkehrende, einseitige Bewegungen wie Bücken, Strecken, Drehen oder längeres Arbeiten mit erhobenen Armen. Dazu kommen das Schieben schwerer Reinigungswagen, das Tragen von Eimern oder Müllsäcken sowie Arbeiten auf Leitern oder in der Höhe, etwa bei der Glas- oder Fassadenreinigung. Viele Reinigungsprodukte enthalten außerdem reizende oder ätzende Stoffe, die Haut, Augen und Atemwege schädigen können. Auch biologische Risiken wie Bakterien, Viren oder Schimmelsporen gehören zum Arbeitsalltag. Gerade im Gebäudedienstleistungssektor summieren sich diese Belastungen besonders stark.

Hoher Krankenstand, aber kein Zufall

Dass Reinigungskräfte zu den Berufsgruppen mit besonders hohen Krankenständen gehören, überrascht kaum. Im Vergleich zu Büroangestellten sind sie deutlich länger arbeitsunfähig. Vor allem in den Wintermonaten steigt die Belastung zusätzlich, denn nasse sowie glatte Böden erhöhen die Rutschgefahr und Arbeiten in kalten oder schlecht beheizten Bereichen belasten den Körper. Laut dem Betriebsärztlichen Gesundheitsbericht 2025 der BG BAU gaben 98 % der befragten Reinigungskräfte an, mindestens einer gesundheitlichen Gefährdung am Arbeitsplatz ausgesetzt zu sein. Dabei seien Frauen im Reinigungsgewerbe fast doppelt so häufig Infektionsgefährdungen ausgesetzt. Männer hingegen würden häufiger von Belastungen durch Staub, Lärm, schwerem Heben und ungünstigen Haltungen berichten.

Diese Gesundheitsprobleme treten besonders häufig auf

Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE)
Rücken-, Nacken-, Schulter- und Gelenkbeschwerden gehören in der Gebäudereinigung zum Alltag. Rund zehn Prozent der Beschäftigten gaben an, aktuell unter Wirbelsäulen- oder Rückenbeschwerden zu leiden. Monotone Bewegungen, ungünstige Körperhaltungen und das regelmäßige Heben schwerer Lasten können langfristig zu chronischen Beschwerden und sogar zu Berufsausfällen führen.

Atemwegs- und Lungenerkrankungen
Beim Einsatz von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln entstehen Dämpfe und Aerosole, die die Atemwege reizen. Besonders in schlecht belüfteten Räumen kann dies Allergien begünstigen und langfristig zu Lungenschäden führen.

Hauterkrankungen
Der regelmäßige Kontakt mit Wasser und Chemikalien greift die Haut an. Typische Folgen sind trockene Haut, Ekzeme oder allergische Reaktionen. Ohne geeignete Schutzmaßnahmen können diese Beschwerden chronisch werden.

Unfallrisiken im Arbeitsalltag
Nasse Böden, Arbeiten auf Leitern oder der Umgang mit Maschinen erhöhen das Risiko für Stürze, Schnittverletzungen oder Stromschläge.

Psychische Belastungen
Zeitdruck, Schichtarbeit, hoher Leistungsdruck und oft geringe Wertschätzung wirken sich auch auf die Psyche aus. Stress, Schlafprobleme und langfristige psychische Erschöpfung sind in der Branche keine Seltenheit.

Was wirklich hilft? Prävention statt Durchhalten

Viele der Risiken lassen sich durch gezielte Maßnahmen deutlich reduzieren. Schon kleine Veränderungen im Arbeitsablauf können langfristig große Effekte haben. Der Betriebsärztliche Gesundheitsbericht 2025 der BG BAU empfiehlt zur Verbesserung von Gesundheits- und Arbeitsschutzmaßnahmen das sogenannte STOP-Prinzip. Ein einfaches, aber wirkungsvolles System, um, Gefährdungen am Arbeitsplatz Schritt für Schritt zu reduzieren.

Das STOP-Prinzip einfach erklärt

S – Substitution
Gefahren möglichst ganz vermeiden, z. B. belastende Arbeitsabläufe oder gefährliche Reinigungsmittel durch schonendere Alternativen ersetzen.

T – Technische Schutzmaßnahmen
Einsatz technischer Hilfsmittel zur Entlastung, z. B. ergonomische Teleskopstiele, Hebebühnen oder moderne Reinigungsmaschinen.

O – Organisatorische Schutzmaßnahmen
Gute Planung und Organisation, z. B. realistische Zeitvorgaben, klare Arbeitsabläufe und regelmäßige Schulungen.

P – Persönliche Schutzmaßnahmen
Persönliche Schutzausrüstung wie Handschuhe, Atem- oder Gehörschutz, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen.

Ergänzt wird das STOP-Prinzip durch die arbeitsmedizinische Vorsorge. Sie dient der individuellen Beratung, hilft bei der Früherkennung arbeitsbedingter Erkrankungen und sorgt dafür, dass gesundheitliche Probleme frühzeitig erkannt und ernst genommen werden. Kurz gesagt: Guter Arbeitsschutz ist kein Zufall, sondern das Ergebnis durchdachter Entscheidungen.

Gesundheit ist Teamsache

Die Verantwortung für Gesundheitsschutz liegt nicht allein bei den Beschäftigten, auch die Unternehmen stehen in der Pflicht. Gebäudedienstleister sind gesetzlich dazu verpflichtet, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen, sichere Arbeitsmittel bereitzustellen und ihre Mitarbeitenden regelmäßig zu unterweisen. Dazu gehören ergonomische Reinigungsgeräte, haut- und umweltfreundliche Reinigungsmittel und persönliche Schutzausrüstung. Immer mehr Unternehmen setzen zusätzlich auf Fitnessstudiogutscheine oder Angebote für Gesundheitskurse, um die Gesundheit der Mitarbeitenden auch außerhalb der Arbeitszeit zu fördern. Wer sich bewegt, bleibt belastbarer, fitter und kommt besser durch körperlich anstrengende Arbeitstage. Davon profitieren am Ende alle: Beschäftigte bleiben länger gesund, Unternehmen senken krankheitsbedingte Ausfallzeiten und sichern ihre Leistungsfähigkeit. Prävention ist damit nicht nur sozial verantwortlich, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.

Gesund durch den Reinigungsalltag

Reinigungskräfte im Gebäudedienstleistungssektor leisten täglich einen enormen Beitrag für unsere Gesellschaft. Gleichzeitig setzen sie täglich ihre Gesundheit aufs Spiel, von Muskel-Skelett-Erkrankungen über Atemwegs- und Hautprobleme bis hin zu psychischen Belastungen. Obwohl ein Großteil der Risiken vermeidbar ist. Gesundheitsschutz ist dabei keine Zusatzleistung, sondern eine Investition in Qualität, Motivation und langfristige Arbeitsfähigkeit. Denn eines sollte selbstverständlich sein: Sauberkeit darf nicht krank machen.

Und wie sieht guter Gesundheitsschutz ganz konkret aus? Eine kurze Check-Liste zeigt, was sich im Alltag ohne viel Aufwand umsetzen lässt.

Quick-Check: Sicher und gesund bei der Arbeit

  • Handschuhe bei Reinigungsarbeiten tragen
  • Rutschfeste Sicherheitsschuhe verwenden
  • Schutzbrille und Atemschutz bei Sprüh- oder Desinfektionsarbeiten nutzen
  • Räume während der Reinigung ausreichend lüften
  • Reinigungsgeräte auf Körpergröße einstellen (Teleskopstiele nutzen)
  • Aufrechte Haltung einnehmen, Rücken nicht krümmen
  • Schwere Lasten körpernah heben oder Hilfsmittel nutzen
  • Tätigkeiten regelmäßig wechseln, um einseitige Belastungen zu vermeiden
  • Reinigungsmittel korrekt dosieren
  • Produkte niemals mischen
  • Gefahrensymbole beachten und Sicherheitsdatenblätter kennen
  • Hautkontakt mit Chemikalien möglichst vermeiden
  • Warnschilder bei nassen Böden aufstellen
  • Leitern und Geräte nur in einwandfreiem Zustand nutzen
  • Defekte Arbeitsmittel sofort melden
  • An Schulungen zu Ergonomie und Arbeitsschutz teilnehmen
  • Pausen einhalten und Überlastung ansprechen